Im Bezirk Lilienfeld blüht seit einigen Jahren wieder eine stille Erfolgsgeschichte auf, eine, die Geduld, Fachwissen und echtes Engagement erfordert hat: die Rückkehr der Feuerlilie (Lilium bulbiferum) nach Annaberg.
Ein wachsames Auge
Seit vielen Jahren engagiert sich Ing. Wolfgang Glänzel, ehemaliger Bezirksförster der BH Lilienfeld, für die Biotopverbesserung im Bezirk. Dazu zählen die Vermehrung alter Sorten und die Kooperation mit der Jägerschaft im Rahmen der Wildökolandaktion des NÖ Jagdverbandes. Elisabeth Prochaska, Umweltschutzorgan und Ortseinsatzleiterin der NÖ Berg- und Naturwacht in Türnitz, arbeitet mit Oberförster Ing. Glänzel seit 15 Jahren zusammen. In dieser Zeit ist es beiden immer wieder gelungen, sehr erfreuliche Renaturierungsprojekte umzusetzen. Eines dieser Herzensprojekte ist die Feuerlilie.
In einem Zeitraum von fünf Jahren beobachteten sie einerseits das Verschwinden der orangefarben blühenden Seltenheit in Annaberg. Gleichzeitig gab es in Türnitz, dank der sorgfältig, wissenschaftlich fundierten Wiesenbearbeitung eines Biobauern, an einigen Stellen wieder regelmäßig Feuerlilien. Diese Gleichzeitigkeit war kein Zufall, sondern ein Hinweis: Die Art kann sich erholen, wenn die Bedingungen stimmen.
Die Studie der sensiblen Lilienart durch Ing. Glänzel und das Umweltschutzorgan Prochaska und die damit verbundene Erhaltung und Weitergabe des Samenschatzes führte nach Jahren zum Erfolg. Erfolg hat hier eine ganz eigene Bedeutung: keine Rekordzahlen, keine Schlagzeilen, sondern die berechtigte Hoffnung, dass eine besonders schützenswerte Pflanze wieder Lebensraum gewinnen kann. Jedenfalls hat die Feuerlilie am Annaberg jemanden, der ein besonders wachsames Auge auf sie hat.
Die Feuerlilie: Rarität unter Schutz
Die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) zählt zu den bekanntesten Wildlilienarten Europas, doch ihr vertrautes Erscheinungsbild täuscht: In Österreich kommt sie nur zerstreut bis selten vor, vor allem in den Ostalpen auf Bergwiesen, Schuttfluren und lichten Waldsäumen, von der Montanstufe bis in Höhen von rund 2.400 Metern.
In Niederösterreich gilt sie als gänzlich geschützte Art gemäß § 2 der NÖ Artenschutzverordnung, dem stärksten Schutzstatus, den das Land vergeben kann. Das bedeutet: Pflanzen oder Teile davon dürfen weder gepflückt, ausgegraben noch beschädigt werden.
Was die Feuerlilie so besonders macht, ist nicht nur ihre auffällige, leuchtend orange-rote Blüte, die von Mai bis Juli erscheint. Die Nominatunterart (var. bulbiferum), die in den Ostalpen heimisch ist, bildet in den Blattachseln kleine Brutknöllchen, sogenannte Bulbillen, aus. Diese fallen ausgereift zu Boden und entwickeln sich über zwei bis drei Jahre zu blühfähigen Pflanzen. Eine elegante Überlebensstrategie, die aber Zeit und ungestörten Lebensraum voraussetzt.
Bestäubt wird die duftlose Blüte fast ausschließlich von Schmetterlingen, die mit ihrem langen Rüssel die tief liegende Nektarrinne in den Blütenblättern erreichen können. Die Feuerlilie ist damit auch ein wichtiger Baustein im Ökosystem der Bergwiese und ein untrügliches Zeichen für deren intakten Zustand.
Intensive Landwirtschaft, Nährstoffeintrag und zu frühe Mahd haben die Art in vielen Gebieten zurückgedrängt. Umso bedeutsamer sind Projekte wie jenes in Annaberg: behutsam, wissenschaftlich fundiert, und mit dem langen Atem, den die Natur manchmal braucht.


